AM BAHNHOF
“Lange hatte sie auf diesen Tag warten müssen. In wenigen Minuten würde der Zug dort halten, wohin die vielen Träume über die Jahre sie geführt hatten. Erwartungsvoll stand sie am Fenster und schaute auf die vorbeifliegenden Häuser, Gärten und Straßen. Nichts kam ihr bekannt vor. Alles sah so fremd aus. Nicht eine bekannte Straßenecke…Kneipe oder Fassade.
Der Zug verlangsamte seine Fahrt und nahm ein paar Kurven. Sie griff nach ihren schweren Gepaeckstücken und bewegte sich Richtung Ausgang zurück.
Jetzt kam der Zug zum Stehen und ein kleiner fast unmerklicher Ruck lief durch alle Wagen. Sie ließ die beiden alte Leute vor, wollte nicht drängeln, was ihr schwer fiel.
Dann stieg sie aus und setzte mit einem Schwung die beiden Koffer auf den Bahnsteig.
Niemand da, der sie abholen würde. Ein Taxi oder einen Bus? Gibt es überhaupt Busse zum Ziel? Schlecht hatte sie sich vorbereitet. War viel zu überstürzt aufgebrochen.
Aber jetzt gab es kein Zurück mehr, sie musste den nächsten Schritt wagen.
Langsam und mit großer Mühe bewegte sie sich Richtung Ausgang des Bahnhofs.
Wäre ich doch bloß zuhause geblieben, worauf habe ich mich da eingelassen?…”