Kurz vor dem Jahreswechsel 2015 erscheint dieser Artikel in der Süddeutschen Zeitung und man glaubt, im finsteren Mittelalter Europas angekommen zu sein, ein Zeitsprung in die Vergangenheit, der verstörender nicht sein kann. Einige Flugstunden von Europa oder von Sydney entfernt und man ist mitten im Mittelalter…

“Hexenverbrennungen” / Der Autor lebt zur Zeit in Singapur.

Höllenfeuer
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Von Arne Perras

David Kalumba ist ein freier Mann. Er könnte des Mordes angeklagt werden, nach allem, was geschehen ist. Aber das ist unwahrscheinlich. Kalumba fürchtet die Richter nicht. Was er fürchtet, ist Sanguma: die Kraft der bösen Geister.

Er sagt, dass sie von den Menschen Besitz ergreifen. Fast alle Bewohner in den abgelegenen Hochtälern haben Angst vor Sanguma. Deshalb kommen sie zu Männern wie David Kalumba. Der kleine stämmige Mann mittleren Alters ist als Seher bekannt. Er soll die Gabe besitzen, böse Geister aufzuspüren. Er sucht. Er findet. Und dann schürt er das Feuer.

Herr Kalumba lebt im Hochland von Papua-Neuguinea, einer Welt, die sich jeder gewöhnlichen Zeitrechnung entzieht. Gerade erst haben die Menschen hier die Steinaxt abgelegt, die sie jahrtausendelang benutzt hatten. Und schon greifen sie nach dem neuesten Smartphone und surfen mit 3G. Eine archaisch anmutende Gesellschaft prallt mit voller Wucht auf die digitalisierte Welt. Das schlägt Funken.

Und damit kennt sich David Kalumba aus. Der Seher spricht ohne jede Scheu über sein tödliches Flammenwerk. “Die Leute kommen von weit her, um mich zu finden”, sagt er. “Ich bekomme viele Aufträge.” Kalumba ist ein Hexenjäger. Er erzählt davon, wie er Menschen bei lebendigem Leibe verbrennt. Und man trifft Zeugen, die das bestätigen. Meistens verfolgt Kalumba Frauen, manchmal Männer. Viele Leute achten ihn als Beschützer, die wenigsten finden, dass einer wie er hinter Gitter gehört…..

>> Mehr in der SZ vom 29 NOV 2014.