Gerade wütet wieder ein heftiger Streit über die Reformen der Gymnasien in Bayern und anderen Bundesländern. Von völlig verkorksten Reformen und einem unüberschaubaren Durcheinander ist die Rede: Während mit viel Aufwand der Sprung vom neunjährigen (G9) zum achtjährigen Abitur (G8) trotz vieler Bedenken meist problemlos bewältigt werden konnte (“Doppeljahrgänge im Abitur”), fordern jetzt viele Kritiker, darunter viele Elternverbände und auch viele Gymnasialkolleginnen / Kollegen die Rückkehr zum “alten Abitur” nach 13 Schuljahren.
Ich will an dieser Stelle keine Argumente PRO oder CONTRA wiederholen, weil sie an anderer Stelle zur Genüge ausgebreitet wurden. Außerdem bin ich der Meinung, dass die Diskussionen wie auch die über das Sitzenbleiben in Gymnasien am Kern der Sache vorbeigehen. Der liegt – finde ich – auf einer anderen Ebene:

Weder das Turboabitur für alle (G8) noch das “langsamere” G9 – Gymnasium für alle kann die Lösung sein: Ganz im Gegenteil: Einige Schüler-/innen sind selbst dann noch unterfordert, wenn sie acht Jahre auf dem Gymnasium verbringen, und andere tun sich schwer, selbst wenn sie zehn Jahre dort verbringen. Warum liegt auf der Hand: Nicht alle sind gleichermaßen begabt (oder besser gesagt: motiviert) und nicht alle lernen im gleichen Tempo.

Folglich heißt nach meiner Einschätzung die Lösung “Streaming”: In größeren Systemen muss Gelegenheit geboten werden, das Abitur in sieben Jahren zu schaffen (einzelne Schüler/-innen dürfen einmal springen), eine große Gruppe wird innerhalb von acht Jahren zum Abitur geführt und eine weitere große Gruppe braucht eben neun Jahre, in besonderen Fällen auch zehn. Wo ist dann das Problem?

Statt Sitzenbleiben wird rechtzeitig zur Wiederholung geraten: Das ist reine Beratungsarbeit, und in diesem Bereich sind nach meiner Erfahrung die meisten Lehrer/-innen und Klassenlehrer/-innen topfit und wissen genau, was zu tun ist. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit Diskriminierung oder “abschießen” oder was auch sonst noch im Umlauf ist zu tun: Im Gegenteil, es entlastet, macht Sinn und ist eben einfach wie es ist.

Die Gymnasien haben sich in den letzten Jahrzehnten von Eliteschulen zu Gesamtschulen oder auch Hauptschulen entwickelt, eine beachtliche Leistung, indem sie statt 5 % eines Jahrgangs (50-ger und 60-ger Jahre) nun bis zu 40 % und mehr zur Fachhochschulreife oder Hochschulreife begleiten.
Dass jetzt “Streaming” und flexible Lösungen angesagt sind, liegt nach meiner Erfahrung auf der Hand und wird bereits vielfach praktiziert.
Schluss mit ideologischen Entweder / Oder – Lösungen: Die Vernunft muss sich durchsetzen!