Vor den Sommerferien 2012 erschien dieses Interview in den FRG Nachrichten. Ich danke HD für die Initiative und drucke das Interview ungekürzt ab / phb am 20. Oktober 2012

1. Lieber Peter! Wünschst Du ein höfliches oder ein ehrliches Interview?
Ich habe nichts gegen Höflichkeit – auf jeden Fall natürlich ehrlich.

2. Schildere uns bitte in mittellanger Form Deinen Werdegang ab Deinem Berufseinstieg (Referendariat).
Mein Referendariat machte ich am Steglitzer Paulsen Gymnasium in Berlin, wo ich auch hätte bleiben können. Ich bewarb mich dann aber in meiner Heimatstadt Kiel und zusätzlich bei der LSchB in Lüneburg, weil dort eine Stelle mit meinen Fächern De / En in Scharnebeck ausgeschrieben war. Ich habe dann beide Schulen besucht und mich schließlich für das ländliche Scharnebeck entschieden, weil dort ein Gymnasium neu aufgebaut werden sollte. Außerdem gefiel mir der Standort: eine Nahtstelle zwischen Stadt und Land. Ich war in der glücklichen Lage, mich zwischen drei Angeboten entscheiden zu können. Nach ca. 8 Jahren bewarb ich mich dann bei der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Köln und wurde an eine der ältesten Auslandsschulen vermittelt, die Deutsche Höhere Privatschule in Windhuk, Namibia. Nach der Rückkehr im Jahre 1994 machte ich mit meinen beiden Kindern und meiner damaligen Frau ein halbes Jahr Pause, und wir reisten hauptsächlich durch Neuseeland. In Dannenberg blieb ich zunächst vier Jahre und wurde anschließend 1998 Fachberater des Goethe-Instituts für Deutsch als Fremdsprache in Brisbane, Queensland. Anschließend bewarb ich mich in Dannenberg auf die Stelle eines Oberstufenkoordinators und trat die Nachfolge von Siegfried Neureuter im Jahre 2005 an

3. Wie sehen Deine Zukunftspläne aus?
Ich werde zurückgehen nach Queensland und mich dort vorerst niederlassen, werde aber regelmäßig meine Familie und Freunde in Deutschland besuchen. Falls möglich „gönne“ ich mir dann in einigen Jahren zwei Wohnsitze, einen im Norden Deutschlands und einen in Australien.

 4. Ergänze bitte: Australien ist unvergleichlich, weil ...
es so ganz anders ist. Ich habe mich dort sieben Jahre lang sehr wohl gefühlt und freue mich darauf, wieder an vergangene Erfahrungen anknüpfen zu können. Ich habe durch meine jetzige Frau auch Familie dort und viele gute Freunde.

5.  Wirst Du bisweilen inmitten von Kängurus die morgendliche Stille am Strand genießen können?
Morgendliche Stille am Strand mit Sicherheit, das Meer ist nur wenige Kilometer von meinem dortigen Wohnort entfernt. Kängurus gibt es in städtischen Bereichen allerdings nicht, vor allem nicht am Strand. Sie lieben den Busch und das Gras der Wiesen.

6.  Was war das Schönste an Deinem Beruf?
Ich habe immer gern mit Schülerinnen und Schülern gearbeitet und auch gern mit Kolleginnen und Kollegen Neues ausprobiert. Ob es auch (Ver)Störendes gab, willst du von mir wissen? Sicherlich, aber zurückblickend würde ich sagen: Nichts Bedeutendes.

7.  Hast Du im Laufe der Jahrzehnte spürbare Veränderungen in der Schülerschaft festgestellt?
Für mich stehen immer unterschiedliche Individuen im Mittelpunkt, deshalb kann ich sagen: nein.

8.  Sind im Verlauf Deiner Berufstätigkeit sog. “Professionelle Deformationen” bei Dir aufgetreten?
Das vermag ich nicht zu beurteilen. Mit Sicherheit haben mir die zahlreichen Ortswechsel geholfen, die tägliche Routine und Anforderungen gelassener zu bewältigen.

9.  Welches ist der schönste Platz am FRG?
Ein ruhiges Plätzchen im grünen Außenbereich…

10.Bist Du für Deine Leistung immer angemessen bezahlt worden?
Eine interessante Frage, der ich nicht ausweichen will. Ich habe verdient, was ich verdient habe und freue mich jetzt auch über meine Pensionsansprüche.

11.Man darf Dich im Blick auf Deine Lebensgeschichte sicher mit Fug und Recht als “Globetrotter” bezeichnen. Magst Du in diesem Zusammenhang die wesentlichen Unterschiede zwischen Kleinstadt und “Weiter Welt” benennen und anschließend erläutern, wie Du den Spagat hinbekommen hast?
Ein Lebensmotto von mir ist immer gewesen: Auf zu neuen Ufern und gern wiederkommen. Dazu gehört auch, begrenzte Zeit möglichst sinnvoll zu nutzen. Da ich ein „Kind vom Lande“ bin und mir Bodenständigkeit und verlässliche Beziehungen besonders wichtig sind, habe ich Fern- und Heimweh immer gut vereinbaren können. Alles zu seiner Zeit, aber eben beides!

12. Harald Martenstein, ein von Dir sehr geschätzter Autor, berichtete Anfang Mai im ZEIT-Magazin, dass sein eigener Großvater an der Hauptschule nicht zu den besten Schülern gehörte und trotzdem die deutsche Rechtschreibung nahezu tadellos beherrschte. Angeblich, so Martenstein, gelinge dieses Kunststück nicht mal mehr an unseren Gymnasien. Zugespitzt:  Ist der sibirische Schneeleopard weniger bedroht als unsere Rechtschreibung?  Wie lautet die Antwort des erfahrenen Deutschlehrers?
Eine optimale Beherrschung der Muttersprache und mindestens einer Fremdsprache gehört neben Mathematik und naturwissenschaftlichen Kenntnissen (Stichwort Natur und Ökologie) ebenso wie Kenntnisse der Geschichte, Politik und Wirtschaft zu den persönlichkeitsbildenden Grundkompetenzen, die jeder braucht, um Mensch zu werden. Dabei sind Persönlichkeiten verschieden und können so auch Unterschiedliches zu einem gesellschaftlichen Ganzen im Sinnes eines Gelingens beitragen. Sprachliche Defizite sind immer ein erheblicher Nachteil, den es auszugleichen gilt. Abstriche in diesem Bereich halte ich nicht für sinnvoll.

13. Möchtest Du vor dem Hintergrund strukturierter Erfahrungen ein Signal oder eine Botschaft für die Schüler/innen und/oder das Kollegium hinterlassen?
Ich habe gern am FRG mit euch zusammen gearbeitet und werde gern wiederkommen. Bleibt so gelassen und menschenfreundlich, wie ich euch wahrgenommen habe – take care! Ihr hört natürlich wieder von mir!

14. Welche wichtige(n) Frage(n) habe ich trotz bester Absichten und Vorüberlegungen schlicht und ergreifend vergessen?
Mir haben Deine Fragen so gut gefallen, dass ich keine ausgelassen habe. „Vergessen“ wurde dabei nach meiner Ansicht nichts.

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