Schüler fragen ihre Lehrer/-innen (2010):

Was würden Sie machen, wenn Sie kein Lehrer wären?
Gute Frage – schwer zu sagen: Vielleicht wäre ich Rechtsanwalt oder Geschäftsmann? Heute würde ich vielleicht Informatik studieren.

Was mögen Sie an Schülern?
Ihre Freundlichkeit, ihre Höflichkeit und natürlich ihre Motivation, Neues zu lernen.

Was ärgert Sie an Schülern?
Wenn sie permanent zu spät kommen und dadurch den Unterricht stören.

Wie sind Sie zum FRG gekommen?
Ich habe mich 2005 auf eine Funktionsstelle beworben, wie ihr wisst als Oberstufenkoordinator. Ich war bereits vor meiner Zeit als Fachberater des Goethe-Instituts in Dannenberg, und zwar von 1994 bis 1998.

Beschreiben Sie die Schule mit drei Worten.
Freundlich – nett – unproblematisch!

Freitag vor Ferienanfang: Knallharter Unterricht oder Film gucken?
Muss nicht gerade Film sein, aber auf keinen Fall „knallharten Unterricht“! Wozu?

Wenn Sie etwas an unserem Bildungssystem ändern könnten, was wäre es?
Ich würde insgesamt mehr Leistung verlangen und stärker differenzieren! Einerseits Brücken bauen („fördern“) – andererseits aber einfach mehr verlangen. Damit muss man jedoch rechtzeitig anfangen, eigentlich schon im Kindergarten, weil Kinder im Grunde immer dazulernen wollen, sie langweilen sich sonst sehr schnell. Ich würde auch Schülern/-innen bei sehr guten Leistungen erlauben, bis zu drei Klassen zu überspringen. Und wenn jemand nicht so gut klar kommt, dann macht er eben 2 – 3 Jahre mehr! Thomas Mann hat sich damals in Lübeck nur gelangweilt und fand seine Lehrer schrecklich, er hat drei Klassen wiederholt und ging dann nach der 10. Klasse ab, ohne Abitur. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Schüler und Lehrer in einem Boot sitzen und gemeinsam aus der Schule (das heißt aus dem täglichen Lernprozess) das Beste machen sollten.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten?
Manchmal allein, manchmal mit meiner Frau: Ich reise gern und lese viel. Auch Zeitungen. Außerdem verbringe ich relativ viel Zeit im Internet. Dort kann man sein Lernen heute weitgehend selbst gestalten.

Fast Food oder gesunde Ernährung?
So gut wie nie – und möglichst immer.

Was war Ihr peinlichster Moment im Unterricht?
(Pause, überlegt) Irgendwie haben alle gelacht, ich wusste allerdings nicht warum. Es war dann aber eher harmlos und hat auch nur 60 Sekunden gedauert, also durchaus auszuhalten.

Wenn Sie ein Fach abgeben müssten, welches wäre es?
Das geht bei mir nicht, Deutsch und Englisch, beide sind mir gleich wichtig. Ich habe auch – trotz der hohen Korrekturbelastungen – mit Bedacht diese beiden Fächer gewählt. Ich könnte mir noch vorstellen, Mathematik, Philosophie sowie Werte und Normen zu unterrichten.

Wochenende: Wann klingelt der Wecker?
Gar nicht!

Was erwartet einen Schüler, der seine Hausaufgaben nicht erledigt hat?
Er muss das erklären ohne zu lügen und bekommt dann einen neuen Auftrag.

Ihr liebsten Urlaubsziele?
Südafrika, Namibia und Australien, dort wohnt auch ein Teil meiner Familie.

Vervollständigen Sie: „Was du heute kannst besorgen, das…!“
…verschiebe nicht auf morgen“! Ist mir zwar nicht immer wichtig, allerdings arbeite ich gern Dinge weg, die mich sonst zu sehr einschränken bzw. belasten.

Wie waren Sie als Schüler?
Im oberen Drittel, es gab allerdings keine 1 –er und eher selten 2-er. Ein gutes Zeugnis lag also bei etwa 2,5. Allerdings gab es keinen NC – Noten waren also nicht so wichtig wie heute!

Zu welcher Musik können Sie entspannen?
Gute Popmusik wie Pink Floyd, Queen, Beatles, Stones u.a.m. Klassik auch, aber eher selten!

Fernsehabend: Was gucken Sie immer wieder gerne und wo schalten Sie sofort weiter?
Günther Jauch, manchmal „Hart aber fair“ – und immer wieder Tagesschau und Tagesthemen, aber auch BBC. Ich schalte nach 30 Minuten Nachrichten in der Regel aus, der wichtigste Schalter für mich!

Ein Schüler spielt Ihnen einen Streich: Wie reagieren Sie?
In der Regel gelassen, kommt darauf an welcher Art. Ich mag keine fiesen / miesen Leute.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Laptop, Hammer und Säge.

Wem würden Sie den Friedensnobelpreis verleihen und warum?
Wenn Mandela ihn nicht schon hätte: Mandela! Der konnte verzeihen, trotz des Unrechts, das man ihm über Jahrzehnte angetan hat. Und er kann immer noch über sich selbst lachen und ist ein fröhlicher Mensch. Den bewundere ich wirklich!

Wie belohnen Sie einen besonders fleißigen Schüler?
Das kommt auf das Ergebnis und die Leistungen an, auf jeden Fall positives Feedback.

Welche Utensilien vermissen Sie im Lehrerzimmer?
Kreide, ansonsten ist alles ok.

Macht das Unterrichten im Laufe der Jahre eher mehr oder eher etwas weniger Spaß?
In der Oberstufe macht es mir fast immer Spaß – es sei denn, die Schüler sind völlig lustlos, was selten vorkommt. Mittelstufe kann manchmal nervig sein, aber ich unterrichte insgesamt immer noch gern.

Aus welcher Motivation heraus sind Sie Lehrer geworden und wann haben Sie Ihren Entschluss im praktischen Unterricht zum ersten Mal bereut?
Ich habe als Schüler gute, mittelmäßige und leider auch einige schlechte Lehrer gehabt, vor allem in den Naturwissenschaften. Ich fand Schule immer interessant und auch gesellschaftlich wichtig. Ich sah damals drei  Möglichkeiten: Medizin, Jura und Lehrer am Gymnasium. Ich habe mich für das Lehramt entschieden, weil ich – vermutlich – über die anderen genannten Disziplinen zu wenig wusste. Bereut habe ich meinen Entschluss nie.

Wenn Sie wüssten, dass nächste Woche die Welt untergeht: Müssten wir deutsche oder englische Kommunikation immer noch lernen? Oder wären andere Unterrichtsinhalte sinnvoller? Oder lohnt sich Unterricht dann gar nicht mehr?
Nie aufgeben – es kommt (meist) anders als man denkt, und von Weltuntergangsstimmung habe ich noch nie etwas gehalten! Menschen überleben Krisen und Kriege, daran nehme ich mir ein Beispiel.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf besonders: Das Lehren, die Konfrontation mit neuen Individuen oder zu sehen, wie sich die Schüler entwickeln?
Lehren selbst macht Spaß, aber nur gemeinsam mit den Schülern/-innen. Insofern halte ich gern Kontakt zu meinen ehemaligen Schülern/-innen und freue mich, wenn ich über ihren meist erfolgreichen Weg etwas erfahre.

Denken Sie, dass Sie Ihren Job gut machen? Was könnten Sie noch verbessern?
Das sollen andere beurteilen, verbessern lässt sich natürlich immer etwas.

Was für ein Gefühl ist es, seine Schüler mit einem bestandenen Abitur zu sehen?
Ich denke dann immer „geschafft“ – das habt ihr toll gemacht! Das gilt auch gerade für diejenigen, die es knapp erreicht haben und sich sehr angestrengt haben. Wer es bis zur Abizulassung schafft, der sollte das Abitur dann auch bestehen. Das wünsche ich jedem ohne Ausnahme.

Ist es etwas Besonderes, mit Heranwachsenden zu arbeiten?
Es kann manchmal schwierig sein und erfordert Fingerspitzengefühl. Am besten, man hat selbst eigene Kinder zum Abitur begleitet, das hilft enorm.

Wie wirkt sich ihre Arbeit auf ihr Privatleben aus?
Ich hatte oft für meine beiden Kinder und meine damalige Frau zu wenig Zeit! Es gab Jahre, da habe ich in den Ferien bis zu 100 Stunden korrigieren müssen, Samstags 4 Stunden Unterricht und Sonntag bis zu 6 Stunden Arbeit. Ich habe wöchentlich zwischen 60 und 70 Stunden gearbeitet und hatte nur die Sommerferien, um mich von der Schule richtig zu erholen. Pro Jahr musste ich bis zu 36 Klassenarbeiten und Klausuren  – bei 39 Schulwochen – korrigieren!

Wenn sie jetzt Abitur schrieben würden, würden Sie bestehen?
Na klar! Abitur ist heute für gute und durchschnittliche Schüler/-innen überhaupt kein Problem.

Beurteilen Sie folgenden Satz: „Es bringt Vorteile, Beamter zu sein.“
Das war mir immer völlig egal – jetzt mit 61 Jahren freue ich mich natürlich über die Absicherung! Aber die hätte ich in jedem anderen Beruf auch gefunden. Ich sehe also grundsätzlich keine Vorteile. Wäre ich entlassen worden, hätte ich neu angefangen.

Was hat sich während ihrer Laufbahn am meisten verändert?
Die Leistungen haben insgesamt eher nachgelassen, eher durchschnittliche Leistungen werden heute oft überbewertet. Das gilt natürlich nicht für einzelne Schüler, eher zusammenfassend gesagt. Es gibt immer noch zahlreiche gute und sehr gute Schüler/-innen. Aber um heute eine 5 oder sogar eine 6 im Zeugnis zu bekommen, muss man schon große Lernschwierigkeiten haben oder einfach die falsche Schule gewählt haben. Mit ausreichend werden heute oft auch Leistungen bewertet, die früher mangelhaft oder ungenügend genannt wurden, so meine Erfahrung.

Kommentieren Sie: „Lehrer ist ein Halbtagsjob“
Unsinn, das soll ja auch nur provozieren!  Hamburg hat vor einiger Zeit ein Modell entworfen, jeder  kann schulformbezogen die Zahlen nachlesen: Die Belastung von Lehrkräften in den Gymnasien liegt ganz oben, allerdings mit breiter Streuung zwischen 900 und 3500 Zeitstunden pro Jahr je nach Fächerkombination und Einsatz, das bei 30 Urlaubstagen pro Jahr gerechnet! Bis zu 1000 oder sogar mehr Korrekturstunden pro Jahr für Deutsch – und Englischlehrer. Dem ist nichts hinzuzufügen!

Endlich Feierabend: Gucken Sie einen spannenden Film oder lesen Sie ein gutes Buch?
Beides, je nach Wochentag und Laune. Zur Zeit lese ich eine Biographie über Thomas Mann.

Sie korrigieren eine Klausur und sehen, dass Ihre Schüler genau das nicht befolgt haben, was Sie Ihnen oftmals gepredigt haben. Wie reagieren Sie?
Das kommt immer wieder vor, ich bleibe gelassen und wiederhole das Wichtigste erneut.

Last not least …
…lasse ich mich von dem Gedanken leiten, dass Schüler/-innen es später einmal besser machen können als ihre Lehrer.

> > LINK zu meinem Projekt  > Schüler/-innen interviewen ihre Lehrer/-innen | Fritz-Reuter-Gymnasium, 29451 Dannenberg (Elbe)